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DIE WASSERGEBURT

 

Schon lange gilt in der klassischen Geburtshilfe das Entspannungsbad als ein erprobtes Mittel zur Schmerzerleichterung. Falls es von der Gebärenden gewünscht wird und sofern die Sicherheit für Mutter und Kind gewährleistet ist, kann auch die Schlussphase der Geburt, die Austreibungsperiode, im Wasser erfolgen.

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe hat zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin für eine Wassergeburt folgende Standards entwickelt:

Kontraindikationen, d.h. Risiko-Schwangerschaften, bei denen eine Wassergeburt nicht durchgeführt werden darf:

  • Mehrlingsgeburten
  • Steisslagen
  • Schwangerschaftsbluthochdruck (Praeklampsie)
  • Frühgeburten
  • verzögerter Geburtsverlauf
  • vorausgegangene Entbindung eines "Riesenbabys"
  • Geburten mit Rückenmarksnarkose (Periduralanästhesie)
  • mütterliche Erkrankungen wie Hepatitis oder AIDS
  • eine auffällige Herztonkurve des Kindes

Vorbedingungen für eine Wassergeburt sind:

  • Entbindung in einem Krankenhaus
  • keine Risiko-Schwangerschaft
  • auf Wunsch der Patientin nach vorheriger ausführlicher und verständlicher Aufklärung über evtl. Risiken
  • lückenlose Überwachung durch Hebamme und Arzt mit Verfügbarkeit einer zweiten Person zum evtl. notwendigen sofortigen Transport aus der Badewanne bei auftretenden Problemen
  • Wassertemperatur konstant bei 36-38°C
  • bakteriologische Überwachung von Badewasser und Badewanne

Geburtsablauf im Wasser:

  • Aufenthalt im Wasser sowohl in der Eröffnungs- als auch in der Austreibungsphase
  • Badewanne mit Bewegungsfreiheit zur Wahl verschiedenster Positionen sowie mit Möglichkeit einer lücken- und kabellosen Überwachung der kindlichen Herztonkurve
  • Nach der Geburt innerhalb von 60 Sekunden Hochheben des Kindes zur Wasseroberfläche und Lagerung des Kindes auf dem Bauch der Mutter mit dem Kopf außerhalb des Wassers
  • Abnabelung im Wasser
  • Nachgeburtsphase mit Geburt des Mutterkuchens möglichst außerhalb der Badewanne

Vorteile

Der Vorteil der Wassergeburt liegt vor allem in der entspannenden Wirkung des warmen Wassers (36-38°C):

  • In dieser Umgebung empfinden viele Schwangere die schmerzhaften Wehen gedämpfter und können damit den Vorgang der Eröffnung des Muttermundes leichter ertragen.
  • Dadurch wird der Teufelskreis Angst-Verspannung-Schmerz durchbrochen.

    Bisher noch ausstehende wissenschaftlichen Studien müssen überprüfen, ob dadurch wirklich ein verminderter Verbrauch an Schmerzmitteln und wehenfördernder Medikamente erfolgt und ob weniger Dammschnitte bzw. schwerwiegende Dammrisse auftreten als außerhalb der Badewanne.

Risiken

Die Gefahr einer Infektion des Kindes ist nach bisherigem Wissen nicht höher als bei "Landgeburten".
Die Kinder beginnen erst dann mit der Atmung, wenn ihr Gesicht nicht mehr in Berührung mit dem Wasser steht (Aufhebung des sogenannten Tauch-Reflexes)..

Dieser Tauchreflex ist bei Kindern mit Sauerstoffunterversorgung aufgehoben. Deshalb verbietet sich eine Wassergeburt bei auffälligen kindlichen Herztönen.

Bei richtiger Auswahl, welche Gebärenden sich für eine Wassergeburt eignen und sofern die Überwachung von Mutter und Kind korrekt durchgeführt wird, ist bei einer korrekt durchgeführten Wassergeburt kein erhöhtes Risiko zu befürchten.

Wie immer in der Medizin, gibt es jedoch auch bei der Wassergeburt kritische Stimmen, die befürchten, dass es in speziellen Situationen durchaus zu einer Gefährdung des Kindes kommen kann:

  • Nach der Unterwassergeburt drückt die zusammengezogene Gebärmutter auch die zum Mutterkuchen führenden Gefäße zu, wodurch der Sauerstofftransport von der Mutter zum Kind eingeschränkt wird.
  • Am Ende des natürlichen Geburtsvorgangs mit dem zwischen den Beinen der Mutter liegenden Kind besteht ein Druckgefälle zwischen der Plazenta in der Gebärmutter und dem Neugeborenen, wodurch es innerhalb von 60 Sekunden zum Übertritt von gut 100 ml Blut aus dem Mutterkuchen kommt. Diese Stabilisierung des kindlichen Kreislaufs durch Volumengewinn unterbleibt, wenn das Kind sofort nach der Geburt aus dem Wasser gehoben wird.
  • Der kindliche Tauchreflex unterdrückt zwar die Atmung, aber durch den Geburtsvorgang unter Wasser kann Flüssigkeit aus der Luftröhre in die Lunge gepresst werden. Bei erneuter Entfaltung des Brustkorbs kann dann das stark mit Darmbakterien verunreinigte Badewasser in die kindliche Lunge gelangen und das Neugeborene gefährden.

Die Erfahrung zeigt, dass Frauen mit einer Wassergeburt enden, dies zum Teil ursprünglich gar nicht gewollt haben und andere Frauen, die mit dem Wunsch nach einer Wassergeburt in die Klinik eintreten, dann unter der Geburt erkennen, dass dies für sie gar nicht unbedingt der geeignetste Weg zum Gebären ist.

Die beste Vorbereitung für eine Wassergeburt besteht natürlich darin, sich schon in der Schwangerschaft intensiv mit dem Thema auseinander zusetzen.

Eine Geburtsvorbereitung im Wasser bietet Frauen diese Möglichkeit in besonderem Maße!

Bei einer geplanten Wassergeburt werde ich Sie gegen Ende Ihrer Schwangerschaft in der jeweiligen Geburtsklinik vorstellen, damit Sie gezielt mit den Kollegen im Krankenhaus das Für und Wider besprechen können.