Praxis
Praxisinfo
IIGEL
Links
Aktuelles
Impressum

REISEN IN DER SCHWANGERSCHAFT

 

Am günstigsten für eine Ferienreise ist die Zeit zwischen dem fünften und siebten Schwangerschaftsmonat.

Erkundigen Sie sich rechtzeitig, ob am Urlaubsort auch eine ordentliche medizinische Betreuung vorhanden ist. In vielen Urlaubsländern ist die medizinische Versorgung nicht so gut wie in Deutschland. Oft ist der nächste Arzt oder das nächste Krankenhaus weiter entfernt oder schwerer zu erreichen als Sie es zu Hause gewohnt sind. 

Bedenken Sie bitte: Ein Baby, das als Frühgeburt, etwa in der 27. Woche, in Deutschland auf die Welt kommt, hat hier recht gute Überlebenschancen. Das ist jedoch nicht in jedem Land so!

Auch im Ausland ist es wichtig, den Mutterpass bei sich zu führen. Dadurch ist der eventuell benötigte Arzt immer schnell und exakt über die Schwangerschaft informiert.

REISEN MIT DEM AUTO

Auch Autofahrten können für Schwangere ziemlich anstrengend sein:

  • Im Verlauf der Schwangerschaft kommt es zu einer Abnahme der Reaktionsfähigkeit.
  • Erhöhte Thrombosegefahr bei einer längeren Autofahrt, wenn Sie lange in abgeknickter Haltung sitzen.
  • Verminderte Beckendurchblutung und Sauerstoffversorgung Ihres ungeborenen Kindes bei langem Sitzen am Schwangerschaftsende.

Deshalb sollten Sie lange Autofahrten zu Beginn und gegen Ende der Schwangerschaft am besten vermeiden.

Falls Sie jedoch unbedingt lange Strecken mit dem Auto zurücklegen müssen, so sollten Sie folgende Punkte beachten:

  • Legen Sie möglichst viele und regelmäßige Pausen ein. Die ergeben sich übrigens wie von selbst, wenn Sie unterwegs viel trinken.
  • Vor der Abfahrt sollten Sie sich vergewissern, dass der Dreipunkt- Sicherheitsgurt bequem sitzt und nicht einschneidet. Der diagonale Schultergurt sollte zwischen Ihrer Brust und über dem Baby liegen, der Beckengurt so weit wie möglich unterhalb Ihres Bauches und nicht auf dem Baby gespannt sein. Ein Stützkissen kann gegen Rückenschmerzen helfen.
  • Der Autositz ist bequem und nicht zu steil einzustellen. Eine liegende Position ist zu vermeiden, um die Blutzirkulation durch Druck auf die untere Körperhohlvene nicht zu vermindern.

Überlegen Sie sich doch, ob Sie nicht besser mit der Bahn fahren wollen. Sie können dann jederzeit aufstehen und herumlaufen.

REISEN MIT DEM FLUGZEUG

Eine Flugreise stellt während der Früh-Schwangerschaft generell kein Problem dar. Im Flugzeug wird meistens ein Druck entsprechend 2.500 Höhenmetern gehalten. Für eine gesunde Schwangere ist dies unbedenklich.
Bei unauffälligem Schwangerschaftsverlauf kann eine werdende Mutter auch später durchaus fliegen. Es sollte allerdings keine Flugreise nach der 36. Woche und bis zu sieben Tage nach einer Entbindung unternommen werden.
Bei häufigen Flügen in der Schwangerschaft ist jedoch die Strahlenbelastung durchaus beträchtlich. Der Grenzwert beträgt 0,5 Millisievert (Normalflug NewYork - Tokio = 0.2 Millisievert). Kritisch ist hierbei besonders die Zeit der Hirnentwicklung des Ungeborenen in der 8. - 12. Schwangerschaftswoche.
Die Flughafen-Sicherheitskontrolle mit einem Metall-Detektor (Magnetstab) stellt keine Gefährdung dar.

Für einen sorgenlosen Flug sollten Sie folgende Tipps beachten:

  • Reservieren Sie sich rechtzeitig einen geeigneten Sitzplatz mit Bewegungsfreiheit für die Beine, damit Sie im Notfall unkompliziert und rasch aufstehen können (z.B. Gangplatz).
  • Nehmen Sie möglichst wenig Handgepäck mit und verstauen Sie dieses nicht unter dem Vordersitz (Bewegungseinschränkung!).
  • Buchen Sie bei Neigung zu Übelkeit und Erbrechen möglichst einen Nachtflug. Ohrstöpsel oder Schlafmasken können Ihnen hierbei das Einschlafen erleichtern
  • Keine Einnahme von Schlaftabletten.
  • Achten Sie bei Langstreckenflügen auf ausgewogene und ausreichende Flüssigkeitszufuhr, aber kein Genuss von Alkohol!
  • Halten Sie sich möglichst an leichte Kost, da Sie eventuell anfälliger für Reiseübelkeit sind
  • Tragen Sie bei Krampfadern möglichst vom Venenspezialisten angepasste Kompressionsstrümpfe.

Während der gesamten Schwangerschaft besteht bei Flugreisen ein erhöhtes Thromboserisiko.

Bei einer Thrombose bildet sich an einer Venenwand ein Blutgerinnsel, das sich losreißen, und dann auf seinem Weg durch das Herz in die Lunge gelangen und dort zur Verstopfung eines Gefäßes führen kann. Eine solche Lungenembolie kann selbst bei Gesunden einen tödlichen Ausgang nehmen!

Deshalb sollten Sie bei einem Langstreckenflug regelmäßig gymnastische Übungen mit den Beinen durchführen, denn es gilt:

Bewegung ist die beste Thrombosevorbeugung!

  • Stehen sie regelmäßig auf, um sich die Beine zu vertreten
  • Im Sitzen Zehen abwechselnd krallen und spreizen (am besten Schuhe ausziehen!)
  • Im Sitzen Füße abwechselnd festanziehen und ausstrecken
  • Im Stehen Füße von der Ferse auf die Zehen stellen (10-20 mal - dabei festhalten)
  • Leichtfederndes Gehen auf der Stelle
  • Beine beim Sitzen nicht übereinanderschlagen
  • Zwischendurch Waden massieren

Häufige Probleme von Schwangeren - vor allem in den Tropen:

  • Durchfälle
  • Kreuzschmerzen
  • Geschwollene Beine
  • Pilzinfektionen der Scheide

Essen und Trinken im Urlaub

Allgemeine Maßnahmen wie "nicht für zwei essen" gelten natürlich auch im Urlaub.
Wichtig ist gerade in südlichen, warmen Ländern, dass Sie ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen. Bevorzugen Sie hierbei abgekochtes Wasser oder ungesüßte Tees.

 

Nahrungsmittel und Trinkwasser sind in Ländern mit schlechten Hygieneverhältnissen sehr häufig hygienisch nicht einwandfrei und können daher Infektionserreger übertragen.

 

Bitte beachten Sie: Selbst eine erstklassige Unterbringung in Top-Hotels in den Tropen ist keinesfalls eine Garantie für einwandfreie Hygiene.

Folgende Nahrungsmittel gelten als potentiell gefährlich und sollten speziell in der Schwangerschaft gemieden werden:

  • Leitungswasser
  • Eiswürfel
  • Eiscremes
  • Salate, rohe Gemüseprodukte
  • ungeschälte Früchte
  • rohe Fisch- oder Fleischzubereitungen
  • Kaltschalengerichte (Pasteten, Mayonnaisen etc.)

Auf keinen Fall sollten Sie in den angesprochenen Länder das Leitungswasser trinken.
Auch beim Zähneputzen benützen sie bitte nur Wasser aus den Flaschen oder abgekochtes und entkeimtes Wasser.
Als Trinkwasser sollte nur industriell aufbereitetes, in Originalflaschen abgefülltes Mineralwasser verwendet werden. Achten Sie hierbei besonders auf die Unversehrtheit des Verschlusses.
Selbstverständlich sind alle Softdrinks in original verschlossenen Flaschen unbedenklich.

Schwangeren-Reiseapotheke

  • Magnesium als Prophylaxe gegen Wadenkrämpfe.
  • Magensäurebinder für den Fall von Sodbrennen.
  • Fiebersenkende Medikamente, z.B. Paracetamol, da Schwangere bei Fieber mit Wehen reagieren können.

Reiseimpfungen in der Schwangerschaft

Wenn Sie in Ihrer Schwangerschaft eine Auslandsreise antreten müssen, sollten wir in einem persönlichen Beratungsgespräch die Einzelheiten erläutern.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät allerdings Schwangeren von Reisen in Länder ab, in denen die Gefahr besteht, sich mit gefährlichen Infektionskrankheiten wie Cholera oder Malaria anzustecken.

Suchen Sie sich also nicht allzu exotische Urlaubsziele aus, vor allem, wenn Sie nicht sehr viel Reiseerfahrung haben.
Belastungen durch Klimawechsel, große Hitze, schlechte Lebensbedingungen, aber auch aufgrund schlechter hygienischer Zustände sollten gemieden werden. Genauso ist vom Tragen schwerer Ausrüstung oder von starken körperlichen Anstrengungen in einem nicht gewohnten Klima abzuraten.

 

Bedenken Sie, dass Sie nicht all das unternehmen können, was Sie während Ihren früheren Reisen getan haben, und gestalten Sie Ihren Reisestil dementsprechend. Unterschätzen Sie nicht, wie viel schneller Sie ermüden.

 

Reisen in die Tropen bringen häufig Impfungen mit sich, die in der Schwangerschaft problematisch sein können.

  • Unbedenklich sind: Tetanus, Diphtherie, Poliomyelitis (i.m.), Hepatitis B, Typhus, Meningokokken-Meningitis, passive Immunisierungen (sog. Gammaglobuline) gegen Hepatitis A und FSME.
  • Folgende Lebendimpfstoffe dürfen während einer Schwangerschaft nicht verwendet werden:
    Röteln, Mumps, Masern und Tuberkulose.

Malaria

 

Schwangere sollten grundsätzlich nicht in Malariagebiete reisen, einen Aufenthalt in Gebieten mit Chloroquinresistenz aber unbedingt vermeiden!

 

Schwangere haben ein erhöhtes Erkrankungsrisiko und können zudem besonders schwerer an Malaria erkranken. Außerdem besteht ein erhöhtes Risiko für Fehl- und Totgeburten.
Ist ein Aufenthalt in einem Malariagebiet trotzdem nötig, sollte unbedingt eine Prophylaxe durchgeführt werden! Einzelne Medikamente zur Prophylaxe von Malaria sind in der Schwangerschaft erlaubt.

Reiseversicherung in der Schwangerschaft

Im Falle von Fernreisen ist es wichtig, zu wissen, dass die meisten Reiserückholversicherungen Schwangerschaftserkrankungen von der Leistungspflicht ausschließen. Sie sollten sich frühzeitig darüber informieren.
Auch eine private Krankenversicherung ist dringend erforderlich.

Beschwerden nach der Rückkehr:

Jeder Reisende, der im Anschluss an einen Aufenthalt in einem exotischen Land plötzliche Gesundheitsprobleme bekommt, sollte sich unverzüglich - vor allem bei fieberhaften Beschwerden - an den Hausarzt oder an ein Tropeninstitut wenden.
Wichtig ist der Hinweis des Patienten, wo er war, welche Vorbeugemaßnahmen getroffen wurden und ob andere Reisende dasselbe Problem berichteten.
Jeder Reisende aus einem Malariagebiet sollte bedenken, dass auch eine noch so konsequent durchgeführte Malariaprophylaxe keinen absoluten Schutz bietet und dass eine Malaria tropica innerhalb eines Zeitraums von nur 48 Stunden (und weniger) akut lebensgefährlich oder sogar tödlich werden kann.
Auch bei anderen Beschwerden ist Handlungsbedarf gegeben - einerseits um das lästige Mitbringsel loszuwerden, andererseits um eine eventuelle Übertragung auf Dritte zu verhindern.

Ansonsten wünsche ich Ihnen gerade in Ihrer Schwangerschaft einen schönen und erholsamen Urlaub, denn es werden recht bald viel Arbeit und anstrengende Zeiten auf Sie zukommen!

Nützliche links:

Berufsverband der Frauenärzte: Venenpflege in der Schwangerschaft http://www.bvf.de/6/offen191.htm
Reise- und Gesundheitsservice http://www.travelmed.de