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STILLEN IST WIEDER IN !

 

Ob Sie Ihr Kind stillen oder ihm die Flasche geben, liegt selbstverständlich ganz bei Ihnen.


Da Muttermilch aus medizinischer Sicht die für Ihren Säugling beste Ernährung darstellt, möchte ich Ihnen als Frauenarzt das Stillen ganz besonders empfehlen!

Natürlich spielt auch Ihr Gesundheitszustand bei dieser Entscheidung eine große Rolle. Frauen, die HIV-positiv sind oder bestimmte Medikamente einnehmen müssen, sollten nicht stillen. Bei Frauen, die eine Brustoperation hinter sich haben, kann das Stillen unmöglich sein.

Zusammensetzung der Muttermilch

Muttermilch ist genau auf die Bedürfnisse eines heranwachsenden Neugeborenen abgestimmt:

Sie passt sich automatisch an die sich ändernden Bedürfnisse des wachsenden Säuglings an und enthält alle erforderlichen Nährstoffe in optimaler Menge und Zusammensetzung:

  • Muttermilch besitzt einen hohen Anteil an Eiweiß, Vitaminen und Antikörper, die das Neugeborene mit seiner noch unvollkommenen Immunabwehr vor Infektionen schützen und Magen-Darm-Erkrankungen vorbeugen.
  • Mehrfach ungesättigte Fettsäuren, Mineral- und Spurenelemente sind in ausgewogenen Anteilen reichlich enthalten und liegen in einer Form vor, die sie für das Kind leicht bekömmlich und gut verdaulich machen.

Rooming-In

Obwohl es eigentlich die natürlichste Sache der Welt ist, will auch Stillen erlernt und geübt sein:

Beim sog. "Tag-und-Nacht-Rooming-In" können sich Mutter und Kind am besten aufeinander einstimmen, indem sie Tag und Nacht im selben Zimmer verbringen.
Auch nach der Klinikentlassung können Sie sich hierbei von Ihrem Frauenarzt, Hebamme oder Stillberaterin unterstützen lassen.

Vermeiden Sie bei gestillten Kindern nach Möglichkeit Sauger, Brusthütchen oder Schnuller in den ersten Lebenswochen. Probieren Sie stattdessen bei Bedarf andere Zufütterungsmethoden wie Becher-, Finger- oder Löffelfütterung aus!

Stillen ist nicht nur Nahrung für den Körper, sondern auch Nahrung für die Seele des Neugeborenen. Es braucht Ihren innigen Körperkontakt ebenso dringend wie Nährstoffe.
Stillen fördert eine enge Mutter-Kind-Bindung und beschleunigt die Erholung der Mutter nach der Geburt.

Am wenigsten Belastung stellt das Stillen für Sie dar, wenn Sie sich einem ganz natürlichem Ablauf anvertrauen. Damit es Ihnen auch langfristig gelingen wird, sollten sie folgende Informationen beachten:

So ernähren Sie Ihren Säugling richtig

  • Jede auch noch so kurze Stillzeit ist wertvoll!
    Ein Versuch zu Stillen, lohnt sich auf jeden Fall.
  • Grundvoraussetzungen zum Stillen sind Ruhe und Entspannung!
    Suchen Sie sich einen ruhigen Platz und nehmen Sie sich Zeit zum Stillen. Der Vater ist hierbei ein wichtiger Helfer: Er kann das Baby wickeln, es trösten, die Geschwisterkinder versorgen und für Ruhe und Entspannung während des Stillens sorgen.
  • Die ersten Wochen sind anstrengend!
    Stellen Sie den Haushalt hintan, denn hier können Sie alles nachholen. Die Zeit mit dem Baby dagegen kommt nicht wieder!
  • Bei gesunden Neugeborenen ist ein Zufüttern von Tee nicht notwendig.
    Fertignahrung muss nur dann zugefüttert werden, wenn die Gewichtsabnahme 10% überschreitet. Meistens ist ab dem 2. - 5. Tag ausreichend Muttermilch vorhanden.
  • Legen Sie Ihr Kind in den ersten Wochen bei jeder Mahlzeit an beiden Brüsten an:
    Dadurch wird die Milchbildung gefördert.
  • In den ersten vier Lebensmonaten benötigt das Kind nur Muttermilch.
    Zur Vorbeugung gegen Rachitis und Karies ist allerdings auch beim Stillen die Gabe von Vitamin D und Fluorid notwendig.
  • Machen Sie in der Stillzeit keine Diät!
    Wenn Sie etwas für Ihre Figur tun möchten, treiben Sie Sport oder machen Sie lange Spaziergänge. Bewegung an frischer Luft tut Ihnen und Ihrem Kind gut.
  • Mit der Muttermilch verliert Ihr Körper Nährstoffe an das Kind.
    Sie benötigen deshalb mehr Vitamine, Mineralstoffe und Energie.
    Essen Sie deshalb täglich zusätzliche Portionen von Lebensmitteln wie Milch oder Milchprodukte (200-250 g), mageres Fleisch (40 g), Vollkornbrot (1 Scheibe), Reis oder Nudeln (gekocht 1 Esslöffel) oder eine kleine Kartoffel, Haferflocken (1 Esslöffel), Gemüse oder Salat (150 -200 g), Obst (100 g).
  • Trinken Sie täglich mindestens 2 Liter Flüssigkeit.
    Geeignet sind Mineralwasser, Obst- und Gemüsesaftschorlen, ungesüßte Kräuter oder Früchtetees.
  • Auf Kaffee, Nikotin, Alkohol sollten Sie weiter verzichten!
  • Falls möglich sollten Mütter 4 bis 6 Monate ausschließlich stillen und danach, neben der Beikost, weiter stillen.
    Mütter können bei geeigneter und ausreichender Beikost ab dem Alter von 4 bis 6 Monaten so lange weiter teilstillen, wie Mutter und Kind es wünschen.
  • Geben Sie eine industriell hergestellte Säuglingsanfangnahrung, wenn Sie nicht oder nicht mehr stillen.
    Eine "hypoallergene" Säuglingsanfangnahrung ist nur dann zur Vorbeugung von Allergien erforderlich, wenn die Mutter nicht stillt und bei Familienmitgliedern 1. Grades allergische Erkrankungen vorliegen.
  • Geben Sie frühestens im 5. Monat einen Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei als Ersatz für eine Milchmahlzeit.
    Einen Monat später können Sie als zweite Beikostmahlzeit einen Vollmilch-Getreide-Brei einführen.
  • Für Säuglinge ist unverdünnte Kuhvollmilch als Tassengetränk ungeeignet.
    Geben Sie diese erst wenn das Kind gegen Ende des 1. Lebensjahres Brotmahlzeiten der Familienkost bekommt.

Stilltechnik

In den ersten Tagen nach der Geburt hat sich das Stillen im Liegen flach auf der Seite aus folgenden Gründen bewährt:

  • Die Mutter liegt entspannt in rückenschonender Position. Sie hat beide Hände frei und kann ihr Kind ansehen.
  • Das Kind liegt entspannt und bequem ohne Kissen in Seitenlage neben der Mutter. Es muss die Brust der Mutter ansehen. Eine unbequeme Haltung würde das Kind am störungsfreien Saugen hindern.
  • Das Kind kann mühelos die Brustwarze mit dem gesamten Warzenvorhof fassen und ansaugen. Hat das Kind nur die Brustwarze alleine im Mund, wird diese schnell wund und verursacht beim Saugen Schmerzen.
  • Nach etwa einer Woche sind die Brustwarzen unempfindlicher; dann kann nach Bedarf des Kindes gestillt werden. Jetzt kann auch die Stillposition variieren.

Bei jeder Mahlzeit soll das Kind an jeder Seite angelegt werden. Bei der nächsten Mahlzeit beginnt das Kind an der Seite, an der aufgehört wurde (Tipp: buntes Schleifchen an dieser Seite des Still-BHs anbringen!). Damit beugen Sie Knotenbildungen und Brustentzündungen vor.

Brustpflege

Im Wochenbett ist es besonders wichtig, die Brustwarzen sorgfältig zu pflegen:

  • Die Brust wird nur mit klarem Wasser gewaschen
  • Häufig die Hände waschen.
  • Halten Sie die Brustwarzen trocken. Lassen Sie den Speichel des Kindes antrocknen, wischen Sie ihn nicht weg, er bildet einen Schutz!
  • Verzichten Sie auf Salben oder hochprozentige alkoholische Lösungen
  • Gestrickte Stilleinlagen aus Wolle, Seide, Papier o. ä. bilden Feuchtkammern und lassen die Brustwarzen aufweichen. Dies führt zu Rissen und Verletzungen.

Wunde Brustwarzen

Bei wunden Brustwarzen sind nach jedem Stillen folgende Maßnahmen zu empfehlen:

  • Rotlichtanwendung, 5 min auf jeder Seite
  • Entzündete Brustwarze mit Rotöl (aus Johanniskraut) einreiben
  • Schwarzteebeutel auflegen
  • Honig oder Traubenzuckerlösung auftragen

Knotenbildung

  • Streichen Sie harte Stellen nach dem Stillen aus
  • Bringen Sie das Baby beim Stillen in eine andere Lage, z. B. mit dem Körper seitlich nach außen. Wo der Unterkiefer des Kindes aufliegt, entsteht der größte Sog!
  • Kälte wirkt positiv: Bereiten Sie z. B. Quarkumschläge aus kühlschrankkaltem Quark (Quark auf ein zusammengefaltetes Tuch streichen, auf die Brust legen).

Brustdrüsenentzündung (Mastitis)

Bei einer Mastitis, die sich oft als Folge eines Milchstaus entwickelt, fühlen sich die Brüste heiß an, sind geschwollen, stark gerötet und sehr berührungs-empfindlich. 
Meist treten dabei auch Kopfschmerzen und grippeähnliche Symptome (Fieber, Schüttelfrost und allgemeines Krankheitsgefühl) auf.

Um die Milchproduktion und den Milchfluss aufrechtzuerhalten, sollten Sie dennoch weiter stillen, und zwar doppelt so oft wie bisher. Massieren Sie den Warzenhof, indem Sie von außen in Richtung Brustwarze streichen. Nehmen Sie sich Zeit für eine Ruhepause, legen Sie sich gegebenenfalls hin.

Kommt es nicht innerhalb von 6 - 8 Stunden zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden, sollten Sie sich von Ihrem Frauenarzt untersuchen lassen.

Falls nötig, erhalten sie ein Antibiotikum, das Ihr Baby und das weitere Stillen nicht belastet. Zunächst wird allerdings häufig erst ein Medikament gegeben, das die Milchbildung vorübergehend vermindert und gleichzeitig entzündungshemmend wirkt.

Bei Brust-Abszessen ist eine Behandlung mit Antibiotika erforderlich und in schweren Fällen eine kleine Operation. Dabei wird der blockierte Gang geöffnet.

Stillen Sie dennoch vorerst weiter.